Kurze Antwort: Ja!
Wenn du dich fragst, ob Prozessautomatisierung 2026 noch Sinn ergibt, dann stehst du vermutlich vor genau einem dieser Szenarien:
Du hast bereits Automatisierungen im Einsatz oder möchtest dich damit auseinandersetzen und fragst dich, ob das jetzt alles von KI-Agenten ersetzt wird. Ist verständlich, da wir überall nur noch: „Agent“, „AI-First“ und „autonom“ hören.
Zeit, das mal zu sezieren!
Das ist 2025 im Bereich KI und Automatisierung passiert
2025 hat bereits vieles verschoben. KI-Agenten sind in aller Munde. Make.com hat die neuen KI-Agenten integriert (der richtige Roll-Out für alle Nutzer:innen war allerdings erst 2026). Auch n8n hat richtig gute Agentenfunktionen. Über das Model Context Protocol (MCP) können Sprachmodelle direkt externe Systeme ansprechen.
KI erledigt zwar noch keine Aufgaben. Aber mit den umgebenden Tools, Fähigkeiten und technologischen Weiterentwicklungen sind wir schon richtig nah dran am KI-Coworker.
Und unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen stellt sich eine berechtigte Frage: Brauchen wir 2026 überhaupt noch klassische Prozessautomatisierung?
Die nüchterne Antwort lautet: Prozessautomatisierung wird nicht ersetzt. Sie wird zur Voraussetzung. Insbesondere für deterministische Prozesse! Bitte schmeiß deine bisherigen Erfolge also unter keinen Umständen über Boarrd, weil Claude Cowork oder dein eigener OpenClaw-Agent vermeintlich jetzt deine Arbeit erledigt.
Du suchst noch einen Einstieg ins Thema KI und Prozessautomatisierung?
Mehr zum Einstieg kannst du hier lesen oder dich alternativ auf unserm YouTube-Kanal umsehen!
Der Irrtum: KI macht Prozesse überflüssig
Im Moment entsteht eine extrem gefährliche, vermeintliche Abkürzung. KI-Agenten bekommen ein Ziel und entscheiden selbstständig, welche Schritte notwendig sind. Das wirkt so, als würden starre Workflows bald ausgedient haben. Brauchen wir alles nicht, einfach alles an „die KI“ delegieren und wir haben keine Arbeit mehr.
Aber ein Agent entscheidet nicht im luftleeren Raum! Agenten brauchen Führung! Und auch die modernsten Technologien brauchen einen Rahmen, sonst wird es sogar ganz schnell gefährlich (möchtest du etwa, dass dein autonomer Agent „aus Versehen“ vertrauliche Informationen leakt?).
Was braucht es also? Neben einer klaren Arbeitsanweisung und Aufgabe braucht ein Agent immer Zugriff auf:
- APIs
- Datenbanken bzw. deine Daten
- Tools
- definierte Trigger
- …
Wenn diese Grundlage nicht existiert, trifft der Agent keine „intelligente“ Entscheidung. Er produziert Zufall mit Selbstbewusstsein und halluziniert vor sich hin. Am Ende hast du ein schlechets Ergebnis, mehr Arbeit und naja… Nichts gewonnen!
Prozessautomatisierung ist 2026 also alles andere als hinfällig.
Deterministische Prozesse bitte automatisieren (auch 2026)!
Ich mach’s ganz plakativ: Früher bedeutete Automatisierung: Wenn X passiert, dann mache Y mit Ergebnis Z. Also im Prinzip Robotic Process Automation (RPA). Du hast also einen Input, eine Aufgabe und einen Output. Das Ergbenis soll immer gleich sein.
Bitte nicht agentisch lösen! Das ist weiterhin eine „einfache“ Automatisierung, eventuell mit KI-Komponenten. Aber bitte ohne autonome KI-Entscheidung.
KI-Agenten als Zwischenstufe zur Autonomie
Mit den Make AI Agents kannst du inzwischen richtig gut Agents bauen. Ziel formulieren. Prozesse und Tools einbinden. Der Agent ruft Tools auf, verarbeitet Daten, trifft Zwischenschritte, erledigt deine Aufgabe.
Aber all das funktioniert nur dann stabil, wenn die zugrunde liegenden Prozesse sauber definiert sind. Ohne Prozess keine Automatisierung, kein Agent und definitiv keine Autonomie.
Kurzer Einwurf: Den aktuellen Trend OpenClaw (gerade übernommen von OpenAI!) kannst du am besten auf YouTube verfolgen. Der Hype ist auf jeden Fall real!
Und weil es so gut ankam, hier noch einmal das einfache Flowchart, welches ich für die Entscheidung gebaut hatte, welche Art von Automatisierung geeignet ist. Das ist auch dieses Jahr noch relevant.
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt. Das Thema ist nicht „Automatisierung oder Agent“? Das Thema ist Reifegrad!
Wenn dein Prozess klar ist, deine Daten sauber sind, dein Ziel eindeutig definiert ist, dann kannst du entscheiden, welche Form der Automatisierung sinnvoll ist. Wenn das nicht der Fall ist, wird jede KI nur schnelleres Chaos produzieren.
Viele unterschätzen, was Prozessautomatisierung eigentlich leistet. Sie zwingt dich, Dinge sauber zu denken. Wo beginnt der Prozess? Welche Daten brauche ich wirklich? Wer ist verantwortlich? Was ist das gewünschte Ergebnis? Was darf auf keinen Fall passieren? Wo ist der Human-in-the-Loop?
Prozessautomatisierung wird 2026 noch strategischer
Eine KI-Strategie haben mittlerweile viele Unternehmen auf die Agenda genommen (und bestenfalls nicht als Insel eingebaut, sondern in die Unternehmensstrategie eingebaut).
Prozessautomatisierung als notwendige Bedingung für einen erfolgreichen KI-Einsatz sollte dabei nicht fehlen! Und genau deshalb wird Prozessautomatisierung 2026 nicht weniger relevant, sondern strategischer. Die Komplexität steigt, gleichzeitig werden die Möglichkeiten größer. Aber: Ein deterministischer Prozess bleibt deterministisch. Punkt. Wenn dein Ziel immer das gleiche Ergebnis ist, dann braucht es keine Wahrscheinlichkeiten. Dann braucht es eine saubere, robuste Automatisierung. Alles andere ist unnötiges Risiko.
Ein KI-Agent ist dagegen sinnvoll, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen. Wenn Informationen bewertet werden. Wenn unterschiedliche Wege möglich sind. Aber auch dann gilt: Der Agent bewegt sich innerhalb eines Rahmens. Und dieser Rahmen ist deine Prozessarchitektur, deine Prozesslandschaft im Unternehmen.
Schneller, höher, eventuell auch ein bisschen besser
Was sich verändert, ist in erster Linie die Geschwindigkeit, mit der du starten und skalieren kannst. Die Technologien sind einfach zugänglicher! Auf die damit verbundenen Risiken bei fehlender Gouvernance und Schulung und Datenschutzbedenken blende ich an dieser Stelle bewusst aus.
Wenn dein Fundament steht, kannst du neue Technologien andocken. Wenn es nicht steht, musst du jedes Mal von vorne anfangen. Das ist lästig, ressourcenverschwendend und im schlimmsten Fall geht dabei sogar etwas kaputt.
Und genau deshalb solltest du deine bisherigen Automatisierungen nicht infrage stellen, nur weil gerade alles nach Agenten klingt. Die FOMO brauchst du wirklich nicht zu haben. Im Gegenteil. Wer 2024 und 2025 sauber automatisiert hat, hat 2026 den strategischen Vorteil. Denn diese Unternehmen können Agenten sinnvoll integrieren, statt sie unkontrolliert experimentell einzusetzen.
Und die entscheidende Frage für 2026 lautet nicht: „Ersetzt KI meine Prozesse?“
Sondern: „Sind meine Prozesse gut genug, um KI sinnvoll einzusetzen?“





